Im Februar habe ich hier im Blog über das Ende von „Bajkal“ und den geplanten Nachfolger geschrieben. Inzwischen ist aus dem Nachfolger ein eigenständiges Projekt geworden – mit einem neuen Namen, einem neuen Konzept und einem eigenen Webauftritt.
Die neue Russisch-Lernapp heißt Filingo.
Filingo ist dabei kein kompletter Neuanfang, sondern eine Weiterentwicklung meiner bisherigen Arbeit. Ich verfolge damit einen neuen Ansatz für das digitale Lernen der russischen Sprache, der mehr Freiheit und Flexibilität im Umgang mit den Lerninhalten ermöglichen soll.
Seit meinem letzten Beitrag ist dabei einiges passiert.
Mehr als 15.000 Wörter und Wortverbindungen
Ein wichtiger Meilenstein ist bereits erreicht: Filingo deckt inzwischen die Lernstufen A1 bis C1 ab.
Die Datenbasis umfasst mittlerweile mehr als 15.000 Wörter und Wortverbindungen. Zu den Einträgen gehören grammatische Formen, Beispielsätze und Audiodateien. Damit ist bereits eine ziemlich umfangreiche Grundlage für das eigentliche Lernen entstanden.
Abgeschlossen ist die Arbeit an der Datenbasis noch nicht. Bei einer solchen Menge an Sprachdaten gibt es zwangsläufig Stellen, die noch überprüft und korrigiert werden müssen. Einige Inhalte sind daher noch nicht fehlerfrei. Ich arbeite kontinuierlich daran, die Daten zu überprüfen und die Qualität weiter zu verbessern.
Ein neues Konzept
Trotz des neuen Namens ist Filingo natürlich nicht völlig unabhängig von Bajkal entstanden. Viele Ideen stammen aus der Arbeit an der alten Anwendung, andere habe ich bewusst verworfen oder grundlegend verändert.
Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die Organisation des Lernmaterials.
Bei Bajkal waren Wörter festen Lernstufen, Oberthemen, Unterthemen bzw. Lernstapeln zugeordnet. Das hat für kleinere Mengen an Lernmaterial funktioniert, wurde mit zunehmendem Umfang aber immer schwieriger.
Ein Wort gehört schließlich nicht zwangsläufig nur zu einem einzigen Thema. Je größer der Wortschatz wird, desto künstlicher wirkt eine solche Zuordnung.
Filingo verfolgt deshalb einen stärker vernetzten Ansatz. Die Lernstapel selbst bleiben dabei erhalten. Auch das Prinzip des wiederholten Lernens mit Spaced Repetition und einer Variante des SuperMemo-Algorithmus bleibt ein zentraler Bestandteil von Filingo.
Offen statt hinter einer Anmeldung
Auch beim Zugang zur Anwendung habe ich aus der Entwicklung von Bajkal gelernt.
Filingo soll nicht den Eindruck vermitteln, dass man zunächst ein Benutzerkonto erstellen muss, bevor man überhaupt herausfinden kann, was die Anwendung bietet.
Deshalb sind zentrale Bereiche von Filingo offen zugänglich. Insbesondere das Wörterbuch lässt sich nutzen, ohne sich zuerst zu registrieren.
Für persönliche Funktionen wie den eigenen Lernfortschritt ist ein Benutzerkonto natürlich weiterhin notwendig. Aber die grundlegende Idee für eine bessere Nutzererfahrung ist nun: Erst ausprobieren, dann entscheiden.
Ich halte das gerade bei einer unabhängigen und noch unbekannten Lernplattform für einen wichtigen Punkt. Wer Filingo zum ersten Mal entdeckt, soll sich selbst ein Bild davon machen können, bevor eine Registrierung erforderlich wird.
Wörter lernen und Formen nachschlagen
Filingo soll nicht nur eine App sein, die einem Vokabeln zum Lernen präsentiert. Eine Sache, die ich aus Bajkal daher unbedingt mitnehmen wollte, ist das öffentliche Wörterbuch.
Hier gibt es zu den Wörtern neben den Bedeutungen auch grammatische Informationen und Formen. Beispielsätze helfen dabei, die Verwendung eines Wortes im Kontext zu verstehen, und Audiodateien ermöglichen es, die Aussprache direkt zu hören.
Filingo soll die anderen Online-Wörterbücher für Russisch nicht ersetzen, aber eine Ergänzung sein mit hoffentlich eigenen frischen Ideen.
Ein klein wenig Gamification
Neu hinzugekommen sind außerdem verschiedene Funktionen, die es bei Bajkal in dieser Form noch nicht gab. Beim Lernen sammeln Nutzer nun Punkte, schalten Erfolge frei und können sich im Ranking mit anderen messen.
Ich sehr übermäßige Gamification allgemein kritisch. In Filingo sollen daher Punkte, Erfolge und ein Ranking vor allem zusätzliche Motivation liefern – nicht den eigentlichen Lernprozess bestimmen.
Auch die individuellen Einstellungsmöglichkeiten werden umfangreicher. Unter anderem lässt sich ein persönliches tägliches Lernziel festlegen, und auch die Gestaltung der Anwendung kann stärker an die eigenen Vorlieben angepasst werden.
Dieser Blog
Mit dem Start von Filingo gibt es auch eine Änderung bei der Einordnung dieses Blogs.
Früher war er Teil meiner persönlichen Webseite. Jetzt ist er unter blog.filingo.app der zentrale Ort für Texte zu Filingo, digitaler Didaktik und dem Lernen der russischen Sprache. Hier dokumentiere ich nicht nur Neuigkeiten zum Projekt, sondern auch einige der Gedanken und Entscheidungen hinter der Entwicklung.
Themen, die nichts mit diesen Bereichen zu tun haben, bleiben auf meiner persönlichen Webseite.
Wie es weitergeht
Der aktuelle Stand ist für mich ein wichtiger Meilenstein: Filingo existiert, die Grundlage steht – trotzdem ist die Anwendung noch lange nicht „fertig“.
Neben der weiteren Verbesserung und Kontrolle der vorhandenen Sprachdaten gibt es noch viele Ideen für die Anwendung. Insbesondere möchte ich das Angebot langfristig um weitere Bereiche ergänzen – beispielsweise Grammatik, Hörverstehen und Hör-Seh-Verstehen.
Für absolute Anfänger ist außerdem ein eigener kleiner Bereich zum Erlernen des kyrillischen Alphabets vorgesehen.